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Die Gedenkkapelle wird von zwei Gemälden des Rostocker Malers Egon Tschirch gerahmt. Beide Bilder zeigen Facetten von Gewalt: Brutalität und Leid im Gemälde „Ecce homo“, Zerstörung und Untergang im Gemälde „Die zerstörte Stadt“.

Egon Tschirch (*22.6.1889 †5.2.1948), ausgebildet u.a. an der Königlichen Kunstschule und an der Hochschule für bildende Künste Berlin, gilt als einer der bedeutendsten Maler Norddeutschlands im 20. Jahrhundert. Er war außerordentlich produktiv, vielseitig und experimentierfreudig und trotz seiner Mecklenburger Motive kein Heimatmaler. Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialismus und die Besatzungszeit – Egon Tschirch malte und verkaufte seine Werke zu allen Zeiten und mit wachsendem Erfolg.

Das Gemälde „Ecce homo“ (1926, Öl auf Leinwand) greift eine Szene im Johannesevangelium (19, 5) auf. Es zeigt den Moment, als Pontius Pilatus den gefolterten Jesus der Menge präsentiert und die berühmten Worte sagt: „Sehet, welch ein Mensch“, während die Menge seinen Tod fordert. Dieses Motiv wurde besonders im 19. und 20. Jh. immer wieder von Künstlern aufgegriffen, um das Schicksal des Menschen in einer von Gewalt und Krieg bedrohten Welt zu zeigen.

Gemälde „Die zerstörte Stadt“ (1942, Öl auf Leinwand) Unmittelbar nach den Bombenangriffen auf Rostock im April 1942 notiert Egon Tschirch am 20. Mai in seinem Tagebuch: „Ruinen-Malen Ecke Grubenstraße/Krämerstraße“ und stellt einen Monat später das großformatige Bild fertig. Tschirch schuf viele Stadtansichten von Rostock, aber das Gemälde „Die zerstörte Stadt“ mit der unversehrten Marienkirche sollte das letzte Bild seiner Heimatstadt sein.

Beide Gemälde rufen zum Gedenken, aber auch zum Nachdenken auf, zeigen sie doch nicht nur die Verletzbarkeit des Menschen, sondern auch seine Verantwortung.