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  • Geschichte der Kapelle
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  • Coventry-Kreuz
  • Rettung ’42 / ’44
  • Schiffsmodell
  • Ort des Gedenkens
  • Geschichte
  • Erinnern an den 1. Weltkrieg

Liebe Besucherinnen und Besucher,

Sie stehen an einem besonders geprägten Ort der Marienkirche!

Diese Kapelle, die eine eigene Geschichte hat, ist seit dem 20. Jahrhundert ein Ort des Gedenkens und Erinnerns an die Opfer zweier Weltkriege.

Die Art und Weise solchen Gedenkens ist gesellschaftlichem Wandel unterworfen. Die Kirchengemeinde sucht nach einem sinnvollen Umgang mit diesem Erbe.

Dieses Info-Terminal will die geschichtlichen Hintergründe dieser Stätte vermitteln. Außerdem will es eine Station sein auf dem Weg zu einem würdigen Umgang mit den Themen Krieg, Leid und Versöhnung.

ca. 2015

Diese Kapelle (im Plan Nr. 9) ist eine der Nebenkapellen, die in den Bau der Marienkirche integriert wurden.

Als Kapelle mit exponierter Lage im Chorumgang wurde sie im Mittelalter vom Rat der Stadt genutzt. Der ließ hier Messen für das Seelenheil der verstorbenen wie der lebenden Ratsmitglieder lesen oder versammelte sich. Die ursprüngliche Einrichtung mit Nebenaltar, Gestühl und Kapellenschranke ist nicht erhalten. Nur die zugemauerte Tür in der westlichen Außenwand zeugt noch von der Nutzung durch die Ratsherren. Sie hatten einen exklusiven Zugang zu ihrer Kapelle.

Mit der Reformation verlor die Kapelle ihre Funktion. Der gemeinsame Gottesdienst wurde Mittelpunkt des Gemeindelebens. Die Ratsherren nahmen seit dem 18. Jh. im Gestühl unter der Fürstenempore Platz.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Raum aufgewertet durch Glasmalfenster. Die Darstellung der Himmelfahrt des auferstandenen Jesus Christi war vielleicht das Motiv, nach dem 1. Weltkrieg gerade hier eine Gedenkapelle zu gestalten.

Die ehemalige Ratskapelle wurde 1923 zu einem Ort des Gedenkens. Von dieser Anlage ist nur noch Christus am Kreuz erhalten.

Das ursprüngliche Denkmal war ein Werk von Walter Rammelt (1890 – 1947), der sich 1922 mit seinem expressionistischen Entwurf in einem Wettbewerb durchsetzte. Rammelt ließ sich nach dem Krieg, schwer gezeichnet durch Kriegsverletzungen, als Künstler in Rostock nieder.

Um den Gekreuzigten gruppierten sich acht in die Wände eingelassene Platten mit über 200 Namen von als Soldaten gestorbenen Mitgliedern der Gemeinde und vier aufgerichtete Grabsteine mit überlebensgroßen Figuren von toten Soldaten. Die Kapelle wurde zu einem Ort der Trauer.

Ein solch unheldisches Gedenken passte wenige Jahre später nicht zu den Zielen des Nationalsozialismus. Das Denkmal wurde als „entartete Kunst“ verfemt. Im Zentrum der Kritik standen die toten Krieger: „Es sind traurige Jammergestalten an die Pfeiler geklebt, die ein Hohn sind auf die tapferen, im heiligen Kampf um heiligste Güter gefallenen Helden“ heißt es 1937 in einem Brief an den Hauptpastor Schoof. 1940 wurde die Anlage – bis auf das Kruzifix und die Tafeln mit den beiden Bibelsprüchen – abgebrochen.

1923